Festakt zum 125-jährigen Jubiläum des TSV Essingen

Soirée in der Schloss-Scheune

Podiumsgespräch
Podiumsgespräch

Anlässlich der Vereinsgründung am 18. Juni 1893 fand zum diesem, auf den Tag genau nach 125 Jahren, ein in kleinem Rahmen begangenner Festakt statt. Eine Jubiläumsfeier mit Grußworten, Podiumsgespräch und Ehrungen. Als prominente Vertreter waren Frau Sabine Schröder vom Schwäbischen Turnerbund (STB), Herr Manfred Pawlita vom Württembergischer Landessportbund (WLSB), Herr Michael Länger von der Schwäbischen Post bzw. Gmünder Tagespost, Herr Reiner Strehle vom LAC Essingen sowie Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer anwesend.

Zunächst begrüßte der erste Vorsitzende des TSV Essingen Helmut Präger die Anwesenden.

1. Vorsitzender Helmut Präger
1. Vorsitzender Helmut Präger

Es folgte ein historischer Reise in die Vereinsgeschichte aber auch ein Einblick in die Zeit vor über hundert Jahren hier in Essingen. Hier ein Auszug:

Am 18.6.1893 wurde im Adler der Turnverein Essingen gegründet.
Bis dahin gab es die Germania Essingen, die zuletzt nur noch aus 1,5 Mitgliedern bestand und nicht mehr lebensfähig war. Der gringfügige Kassenbestand wurde vom TV (Turnverein) übernommen und auch die Mitglieder wechselten zum TV. Der neue TV Essingen betrieb nur die Sportart Turnen. Damals gab es keine Halle wie heute, sondern man turnte im Sommer im Freien und im Winter in den Scheunen der Essinger Bauern.

Gründungsurkunde TSV Essingen Deckblatt mit Tagesordnung
Gründungsurkunde TSV Essingen Deckblatt mit Tagesordnung

In den Monaten nach der Gründung wurde beschlosssen, auch Zöglinge ab 14 Jahren aufzunehmen, 25 Turnstäbe anzuschaffen und Vereinsabzeichen zu kaufen. Schon ein Jahr nach der Gründung erhält der TV Essingen die Durchführung des Gauturntages übertragen. Bereits damals war es wohl nicht leicht, die Funktion des Vorstandes auszuüben. Es ist in Protokollen zu lesen, dass im Dezember 1894 der Lehrer Ensinger und am 27.1.1895 der Kaufmann Schnaidt Vorstand wird.

 

1895 hatte der Verein 18 Aktive, 36 Passive, 3 Ehrenmitglieder und 10 Zöglinge. 1897 werden Hanteln angeschafft. Wie wichtig der Turnbetrieb war, zeigt ein Beschluss aus dem Jahre 1898: 10 Aktive und Zöglinge werden ausgeschlossen! Grund: unregelmäßiger Besuche der Turnstunden.

 

1901 wurde eine Turnmatte, Größe 120 x 150 cm, angeschafft und eine Schutzhülle für den Barren. 1904 wird die noch heute existierende Vereinsfahne eingeweiht. Gekauft bei der Firma Starke in Stuttgart zu 260 Mark.

Inzwischen wurde dem Verein auch eine Sängerriege angegliedert, sie diente in erster Linie der Umrahmung von Veranstaltungen des TV.

 

1910 wurde der Beschluss gefaßt, eine eigene Turnhalle zu bauen. Sie wurde dort errichtet, wo heute der katholische Kindergarten steht. Die Gemeinde Essingen hat dem damaligen Turnverein jegliche Unterstützung versagt. Große persönliche Opfer der Mitglieder waren nötig. Ein Grundstück wurde erworben und ein privates Darlehen war zum Bau nötig, 2900,- Mark zu 4 % Zinsen waren ausreichend, um die Halle zu bauen. Einweihung war am 24.11.1911. Zur Schadenfreude des Vereins: die Gemeinde mußte im 1. Weltkrieg die Halle zu monatlich 100,- Mark anmieten, um Kriegsgefangene unterzubringen und finanzierte so die Halle doch fast alleine.

 

Im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 ruhte der Turnbetrieb. Der Krieg forderte aus den Reihen der Turner 7 Gefallene und 2 Vermisste. Nach dem Krieg wurde der Betrieb wieder aufgenommen und hatte zu diesem Zeitpunkt 108 Mitglieder, davon 34 Zöglinge. Schon damals wird vom guten Einvernehmen der Essinger Vereine berichtet, was bis heute Bestand hat.

 

1927 trat erstmals die neu gegründete Damenriege des TV aus. Heute turnen fast nur noch Damen.

 

Die Folgen der Machtergreifung durch die NSDAP sind auch in Essingen zu spüren. Der TV mußte sein Turnen auf das neue Wehrturnen umstellen und im Vereinsleben trat das neue Führerprinzip in den Vordergrund. Der letzte Entrag vor Beginn des Krieges im Jahr 1939 datiert vom 7.2.1938 und berichtet über eine Durchführung eines Faschingsballes. Wie nahe liegen doch Freud und Leid beieinander. Von 1945 bis 1948 enthält die Vereinsgeschronik nur einen gerafften Überblick.

 

Nach dem Krieg lassen die jungen Menschen, als sie 1945 teils aus der Kriegsgefangenschaft kamen, den Kopf nicht hängen, sie ergreifen die Initiative. Es wird nun auch Fussball gespielt. Die Fussballfreunde gründen den SV Essingen, dies am 8. Juli 1945. Und das ging so, schon nach dem 1. Weltkrieg bringt Forstwart Funk aus der Gefangenschaft in England die Sportart Fussball mit nach Essingen. Unter dem Namen FC Kickers Essingen wird nun auch in Essingen das Fussballspielen aufgenommen. Das war damals schwierig, wie man an der Vielzahl der Spielplätze erkennen kann.

 

  • Lehmgrube beim Bahnhof
  • In Tauchenweiler
  • Auf der oberen Wiere
  • In der Lix
  • In der Lehnbach
  • Beim Gatshaus Blümle

 

Immer wieder werden die Fussballer vertrieben, besonders stark war der Widerstand des bereits bestehenden Turnvereins. Fussball war für die Turner keine Sportart und außerdem wanderten manche Turner ab zu den Fussballern. Zunächst wird wild gespiel,t dann folgten Spiele gegen untere Mannschaften. Das erste offizielle Spiel fand im Wental statt: 6:1 gegen Bartholomä.

Am 22.1.1949 entsteht dann durch den Zusammenschluss des Turnvereins mit dem Sportverein der TSV Essingen. Er nannte sich fortan: TSV 1893 Essingen e.V. Auch in der Infrastruktur des Vereins ging es voran:

 

  • 1952 gab es einen besseren Spotplatz
  • 1955 Richtfest der Umkleiden beim Sportplatz
  • 1958 Gründung einer Leichthletikabteilung
  • 1965 Gründung einer Kegelabteilung. Zunächst wurde in der Aalener Forelle gekegelt, dann im Bären. Ab 1971 im Aalener Keglerheim, anschließend
    in der Essinger Sonnenbrauerei.
  • 1967 Einweihung des neuen Sportplatzes (heute REWE Markt)
  • 1969 Gründung der Skiabteilung
  • 1972 Osterwanderung organisiert durch die Fussballabteilung mit über 3000 Teilnehmern (dies wiederholte sich einige Jahre)
  • 1973 Einweihung der Remshalle
  • 1979 Gründung der Tennisabteilung, zunächst mit 2 Asphaltplätzen, 1988 entstanden 2 Sandplätze
  • 1982 Verkauf der vereinseigenen Turnhalle an die Gemeinde, der Erlös diente als Grundstock für den Bau des TSV Heimes

 

Im Sommer begann der Bau der neuen Sportanlage. Jetzt war er TSV gefordert den Bau des Vereinsheimes in Angriff zu nehmen. Im Dezember 1985 wurde ein Bauauschuss gegründet. Das Bauvorhaben konnte am 30.1.1987 der Versammlung vorgestellt werden. Mit knapper Mehrheit wurde der Bau genehmigt, der 1. Spatenstich erfolgte am 11.9.1987. Im August 1988 konnte die Gemeinde das heutige Schönbrunnenstadion einweihen, im September 1989 der TSV sein Vereinsheim.

 

  • 1991 wurde die Kegelbahn eröffnet
  • 1994 wurde der Skiclub gegründet, die Mitglieder wechselten dorthin
  • 2007 errichtete die Gemeinde die Schönbrunnenhalle
  • 2007 gründeten die Leichtathleten einen eigenen Verein, den LAC
  • 2007 Gründung der Abteilung Badminton
  • 2007 Gründung der Abteilung Funsport
  • 2007 Gründung der Abteilung Schönbrunnarren
  • 2017 Gründung der Abteilung Basketball

 

Heute im Jahr 2018 hat der Verein rund 1150 Mitglieder, einen mit Flutlicht versehenen großen Kunstrasenplatz, ebenso einen kleinen. Zudem nutzt er den gemeindeeigenen Rasenplatz.

Von den 356 Sportvereinen des Sportkreises Ostalb ist der TSV der 20. größte mit einer sehr positiven Mitgliederentwicklung. Die größte Abteilung des TSV ist die Turnabteilung mit rund 500 Mitgliedern, es folgen die Fussballer.

 

In der Turnabteilung sind über 40 Personen aktiv als Übungsleiter und Funktionäre. Die Fusssballer haben 3 Herrenmannschaften, 8 Jugendmannschaften und sogar 2 Mädchenmannschaften. Alleine 25 Jugendtrainer kümmern sich um den Nachwuchs. Bei den Schönbrunnarren tanzen etwa 50 Mädchen in den Garden. Die Tennisabteilung hat etwa 100 Mitglieder und verfügt über 5 Sandplätze. Badminton hat rund 130 Mitglieder, davon viele Jugendliche. Die Kegelabteilung verfügt über 4 vereinseigene Bahnen und hat ca. 65 Mitglieder. Es wird derzeit an einer Kooperation mit dem Frisch Auf Essingen gearbeitet. Die neu gegründete Basketballabteilung tritt mit 2 Mannschaften an, eine Jugendmannschaft ist zusätzlich angestrebt.

 

Allen ehrenamlichen Helferinnen und Helfern sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Ohne Euch gäbe es diesen Verein und die positive Entwicklung nicht.

 

Helmut Präger

1. Vorsitzender des TSV Essingen 1893 e. V.